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Degussa, Hohmann und Flick – nicht einmal die halbe Wahrheit

Es geschehen wieder einmal merkwürdige Dinge in diesem Land. Da stellt die Stiftung „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ nach Baubeginn überrascht fest, daß die beteiligte Firma Degussa an Naziverbrechen mitgewirkt hat. Wie? Haben die Mitglieder des Kuratoriums im Gechichts-Unterricht gefehlt oder geschlafen?

Als Begründung für den zuerst geforderten Ausschluß der Firma, die u.a. den Graffiti-Schutz liefern soll, hörte ich bisher nur, daß von der Tochterfirma Degesch das Zyklon B stammte, mit dem die Juden vergast wurden. Das stimmt zwar.

Aber das ist noch lange nicht alles. Das Gold, das den Juden vor ihrer Ermordung geraubt, und das Zahngold, das den Vergasten aus dem Mund gebrochen wurde, verwertete die Mutterfirma. Die Tochter half beim Morden und die Mutter bei der Leichenfledderei.

Vom letzten Detail hörte und sah ich nichts in den Funk- und Fernseh-Nachrichten. In meiner Lokalzeitung fand ich auch nur die Degesch. Auslassung und Beschönigung sind nun schon lange ganz natürlich bei der angeblich schonungslosen sogenannten Aufarbeitung der Vergangenheit in unserem Land. Aufarbeiten kann ja auch verschönern heißen.

Aber vielleicht gibt es noch einen anderen Grund. Schweizer Banken, die sich an den Goldgeschäften beteiligt hatten, sind dabei nicht gut weggekommen. Der Forscher Hersch Fischler hatte aufgedeckt, daß die Degussa die Verwertung des Raubgoldes für die Nazis übernahm. Seitdem ist das Archiv der Firma für ihn nicht mehr zugänglich.

Das, denke ich, mochten die stromlinienförmigen Journalisten nicht auch noch breittreten. Vielleicht hätte das am Ende die Scheinheilig-Sprechung durch das Kuratorium und seinen Vorsitzenden, den frommen Herrn Thierse, erschwert.

Auf der Degussa-Homepage ist – nach einigem Klicken – auch etwas über die „Historische Verantwortung der Degussa“ zu finden. Es ist in der Datei „Degussa Corporate Citizenship-Report 2002 Geschichte“ versteckt, die man herunterladen kann.

Die Firma hat auf allen denkbaren Gebieten mit den Nazis kollaboriert (und davon profitiert): Arisierung, Zwangsarbeit, Zyklon B, Gold der ermordeten Juden. 1948 trat der Vorstandsvorsitzende der früheren Degussa nach der Haftentlassung bei der neuen Degussa sein altes Amt wieder an: das NSDAP-Mitglied, der Wehrwirtschaftsführer Hermann Schlosser. Nach ihm ist eine Stiftung der Firma benannt. Auch mit dieser schönen Geste nimmt die Degussa ihre „historische Verantwortung“ wahr.

Ob nun ohne oder jetzt mit Graffiti-Schutz der Degussa, da wird wohl einiges hängenbleiben an diesem deutschen „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“.

Völlig überrascht wurde auch die CDU: wegen der (Sprachregelung:) als antisemitisch eingestuften Rede ihres Bundestags-Abgeordneten Hohmann. Das Fernseh-Magazin Panorama beschäftigt sich schon seit Jahren mit diesem Herrn. Es machte auch schon jahrelang die CDU-Oberen auf ihn aufmerksam. Nichtsdestweniger: ihre Überraschung war immer noch groß. Noch überrschender ist, daß Panorama mehrere prominente CDU-Leute mit ähnlicher Auffassung fand. Am überrschendsten aber ist, daß ein großer Teil der CDU-Anhänger in einer Umfrage ähnlich dachte. Der Skandal gab der SPD ein paar Gelegenheiten, sich moralisch überlegen zu gebärden.

Sein Großvater war Industrieller, der Zwangsarbeiter ausbeutete. Der wurde als Kriegsverbrecher zu
7 Jahren Haft verurteilt. Der Enkel Flick hat das Geld geerbt und sammelt damit Kunst. In den Fond derdeutschen Wirtschaft zur Entschädigung der Zwangsarbeiter zahlt er nichts ein. Als er seine Kunst-Sammlung in Zürich zeigen wollte, standen die deutschen rot-grünen Intellektuellen und Künstler auf wie ein Mann und protestierten lautstark. Die Ausstellung wurde verhindert.

Als nun die Ausstellung in Berlin eröffnet wurde, lobte der Kanzler den Kunstsinn des Enkels, natürlich ohne den Großvater zu erwähnen. Die rot-grünen Hofschranzen waren eingeladen und zahlreich erschienen, klatschten Beifall. Schön, daß es Panorama gibt. Wenn man's verpaßt, erfährt man über diese Themen nichts mehr. Wer mehr als halbe Wahrheiten und ganze Lügen erfahren will, muß höllisch aufpassen.


Das Verdrängte sei ausgeschlossen aus der Organisation des Ich, sagte Freud. Das gemeinsam Verdrängte ist ausgeschlossen aus der Organisation der Gesellschaft, ist zu ergänzen. Es kehrt wieder, unvorhersehbar, unabwendbar. Die Täter kamen aus der Mitte der Gesellschaft, aus den sogenannten Eliten, dem wirklichen Mob und den sprichwörtlichen gemeinen Männern und Frauen.


Zuerst gab es den Versuch des platten Ignorierens. Als "das Ausland" Fragen stellte, die erste finanzielle Wiedergutmachung. Die letzte erfolgte unter rot-grüner Regie mit der Stiftung für die Zwangsarbeiter. Eine schwierige Geburt. Die Almosen für die letzten Überlebenden wurden mit peinlicher Schäbigkeit gewährt - kein Vergleich mit den satten Gewinnen, die vielen deutschen Unternehmen ihr Wirtschaftswunder ermöglichten. Aber es herrscht Rechtssicherheit - für die Nachfolger der vielen tausend Firmen, die an den Verbrechen der Nazis beteiligt waren, nicht für die Opfer. Sie werden ein für allemal abgespeist.


Ein wichtiges Element in dem Versuch, die Vergangenheit abzustreifen, ist die Wieder-Entdeckung Hitlers im Irak, in Jugoslawien und morgen vielleicht sonstwo. Was liegt für den Export-Weltmeister näher, als seine Verbrecher und Verbrechen in fremde Länder auszuführen? Was liegt näher, als KZs in Jugoslawien zu halluzinieren, um in das Land einzufallen? Ebensowenig, wie es im Irak Massenvernichtungswaffen gab, gab es in Jugoslawien KZs. Davon redet keiner mehr. Denn der "Nie-wieder-Auschwitz"-Fischer und seine grünen Gefolgsleute wechseln, natürlich in der schmerzlichsten inneren Zerissenheit, so oft den Standpunkt, daß die Mehrheit wahrscheinlich selbst nicht mehr weiß, was sie gerade denkt.


Wichtige Informationen für den Degussa-Teil habe ich dem Aufsatz von Otto Köhler im "Freitag" vom 7.11.2003 entnommen: "Jedem Menschen nützt ein Degussa-Produkt" HOLOCAUST-MAHNMAL Eine neue Runde im Streit um die Lieferantin von Zyklon B. Gefunden habe ich diesen Aufsatz mit der Suchmaschine www.metager.de.

Auch der Privatsender n-tv hat sich unter der Überschrift "Unrühmliche Vergangenheit" mit der Nazi- und mit der Nachkriegs-Vergangenheit des Konzerns ähnlich kritisch auseinandergesetzt.

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